Geschichte der Hospitalstiftung

Die Hospitalstiftung Hof ist eine kommunale Stiftung des öffentlichen Rechts, d.h. sie erfüllt ausschließlich öffentliche Zwecke auf dem Gebiet der Altenhilfe und zwar nur im räumlichen Bereich der Stadt Hof. Sie wird durch die Stadt Hof vertreten und verwaltet, ist aber eine eigene Rechtsperson, deren Vermögen getrennt von dem Vermögen der Stadt Hof zu verwalten ist. Hierüber wacht die Regierung als Stiftungsaufsicht.

Entstehung und Entwicklung der Hospitalstiftung

Die Geschichte der Hospitalstiftungen nimmt in allen mittelalterlichen Städten einen großen Raum in der Forschung ein, sei es in der allgemeinen Kultur- als auch in der Wirtschaftsgeschichte.

Über den Ursprung und die Entstehung der Hospitalstiftung sind Urkunden nicht mehr vorhanden. Die Gründung der Hospitäler hängt unmittelbar mit der Erbauung der Städte zusammen. Aus Aufzeichnungen ist zu entnehmen, daß man in den Jahren 1262 – 1268 angefangen hat, das Hospital vor dem Unteren Tor zu erbauen. Um die Entstehungsgeschichte zu verstehen, muß man sich zurückversetzen in ein Zeitalter, in dem man durch mönchische Heiligkeit, hauptsächlich durch Werke der Liebe, eine Vergebung der Sünden und Seligkeit zu verdienen suchte.

Die Menschen des 12. und 13. Jahrhunderts wollten durch Barmherzigkeit Befreiung von den Sünden erlangen.

Durch die Zielsetzung, alte, hilfslose, jedoch ehrenhafte Bürger zu beherbergen und zu pflegen, waren die Hospitalstiftungen nicht allein kirchliche Anstalten, auch wenn ein Rektor oder Pfarrer Leiter war, sondern durch die Direktion des Regenten bzw. Landeshauptmannes und die Administration des Stadtmagistrates, der aus seinen Reihen den Spitalmeister wählte, eine weltliche Institution von großer Ausstrahlung. Durch die jahrhundertelange Anhäufung von Stiftungen und den Kauf von Grund und Boden oder von Lehenshöfen wurden die Hospitäler eine krisenfeste Vermögensanlage der Städte, Erkenntnisse, welche sich alle auf die Hofer Stiftung anwenden lassen.

So bildete sich eine Gesellschaft frommer Brüder aus den Einwohnern von Hof, welche teils selbst einen kleinen Fonds zusammenlegte, teils milde Beiträge sammelte, um unter dem Schutz der Vögte zu Weida eine kleine Verpflegsanstalt für arme, würdige Hofer zu gründen. Die Begründer nannten sich fratres hospitales, d.h. barmherzige Brüder, gaben den Armen Wohnung und versorgten sie mit allem Notwendigen. Sie hatten einen Rektor über sich, der die ganze Anstalt leitete. Die ersten Einkünfte brachte die päpstliche Aufforderung zur Wohltätigkeit gegen dieses Hospital.

Ablassbriefe des Bischofs zu Bamberg (bekannt aus 1268) waren weitere Einnahmequellen.

Vom Jahr 1302 an wurde das Hospital immer reichlicher dotiert, vor allem durch Grundstücksschenkungen, so daß ein Ökonomie-Verwalter angestellt werden konnte.

36 Pfründner, arme alte, aber nicht mit ansteckenden Krankheiten behaftete Leute aus dem Hofer Bürgerstand von unbescholtenen Ruf wurden im Hospital ernährt und verpflegt.

Bei vermehrten Einkünften konnte das Hospital von 1364 an auch manche Güter erwerben, so dass die Besitzungen immer größer wurden. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts nahm der Grundbesitz ständig zu.

Erhebliche Rückschläge brachte der 30jährige Krieg von 1618 – 1648, von dem sich das Hospital erst wieder Anfang des 18. Jahrhunderts erholte.
Im 18. und noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand eine besondere Hospitalinspektion und Administration in Hof, welche der königlichen Kreis- und Domänenkammer in Bayreuth unmittelbar unterstellt war und der alle Gesuche um Verleihung von Hospitalpfründen zur Genehmigung vorzulegen waren.

Als 1806 die Markgrafenschaft Brandenburg und Bayreuth französisch wurde, wurde das Hospital zu einer Versorgungsstation für die Truppen Napoleons.

1809 beuteten die Österreicher Ställe und Scheunen des Spitals aus. Nach nochmaliger französischer Vorherrschaft wurde Hof am 04.07.1810 bayerisch. Die neue königliche Verwaltung verkaufte beträchtliche Grundstücke des Spitals, um damit die Kriegsschulden Bayerns zu bezahlen.

Erst mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde die Stadt Hof Treuhänder des Spitalvermögens unter strenger Aufsicht der Kreisregierung.

Die im Laufe der Jahrhunderte der Hospitalstiftung von verschiedenen Seiten zugegangenen Spenden an Geld und Grundstücken verbunden mit einer geschickten Vermögensverwaltung, führten zu einem Vermögen das die Geldentwertung nach dem 1. Weltkrieg und auch die Währungsreform 1948 gut überstand.

Eine Stiftungssatzung wurde erstmals 1941 erlassen, nochmals geändert 1951 und 1960, letztmals im Jahre 1987.
Seit 1960 gilt die Hospitalstiftung als örtliche Stiftung des öffentlichen Rechts und fördert nach dem Stiftungszweck die Altenhilfe im weitesten Sinne. Sie verfolgt damit ausschließlich und unmittelbar mildtätige und gemeinnützige Zwecke.

Die ständig wachsende Zahl älterer Mitbürger stellt an die Gesellschaft – und nicht zuletzt an die Gemeinden erhebliche Anforderungen organisatorischer, personeller und finanzieller Art. Dabei muss noch berücksichtigt werden, dass in Hof der Anteil der über 65-jährigen an der Gesamtbevölkerung noch weit höher ist als im Durchschnitt des Bundesgebietes. Nach der Einwohnerstatistik vom November 1998 wohnen in Hof 10.458 Personen über 65 Jahre, das sind rund 20 % an der Gesamtbevölkerung. Die Hospitalstiftung hat dadurch ein breites Betätigungsfeld, um den Stiftungszweck zu erfüllen.

War in der über 700-jährigen Geschichte der Stiftung das Hospital am Unteren Tor lange Zeit die einzige Einrichtung für ältere Mitbürger, so entstanden in Erfüllung des Stiftungszweckes

1930/31 das Bürgerheim mit 30 Zimmer, das allerdings zum 31.03.1993 in der seitherigen Form aufgegeben wurde,

1958/60 an Stelle der alten Scheune im Hospitalhof ein Alten- und Pflegeheim mit 93 Betten.

Um den alten Menschen noch länger ihre Selbständigkeit in den eigenen vier Wänden zu erhalten und zur Entlastung der Heime hat die Hospitalstiftung 1966 mit dem Bau von Altenwohnungen begonnen.
An der Lilienthalstraße entstand eine Wohnanlage mit 24 Wohnungen.

In den Jahren 1970 bis 72 wurden an der Gabelsbergerstraße 72 Altenwohnungen in 3 sechsgeschossigen Wohnhäusern gebaut, je 36 Wohnungen für Ehepaare und für Alleinstehende.

1974/75 entstand die Wohnanlage Krötenhof an der Viktor-von-Scheffel-Straße mit 29 Alleinstehenden- und 20 Ehepaarwohnungen,

1977 die Wohnanlage Christiansreuther Str. 27 mit 62 Wohneinheiten, die heute überwiegend von alleinstehenden älteren Leuten bewohnt wird,

1986 die Wohnanlage Parsevalstraße 14 mit 11 Wohnheiten,

1988/89 die Altenwohnanlage Klösterleinsweg 6 und 6a mit 18 Wohneinheiten.

Allen Wohnanlagen gemeinsam sind die niedrigen Grundmieten von 5,50 DM – 6,50 DM/qm, die durch staatliche Aufwendungszuschüsse, zinsgünstige Darlehen und eine geringe Eigenkapitalverzinsung möglich wurden.

Um der Vereinsamung vorzubeugen und den alten Mitbürgern Gelegenheit zum geselligen Beisammensein und Plaudern zu geben, hat die Hospitalstiftung 1973 an der Gabelsbergerstraße eine Altentagesstätte mit etwa 100 Sitzplätzen errichtet, die monatlich 600 – 700 Besucher aufweist.

In Krötenhof wurde 1975 eine Altentagesstätte eingerichtet, die etwa 40 Personen Platz bietet und auch in Christiansreuth sind Gemeinschaftsräume vorhanden, die zu Vorträgen und geselligen Veranstaltungen, aber auch zum zwanglosen Beisammensein genützt werden können.

In den Altenwohnungen sind die Mieter grundsätzlich für ihre eigene Wohnung verantwortlich. Hausordnung, Straßenordnung, Betreuung der Außenanlagen besorgen Mitarbeiter der Hospitalstiftung. Zentralheizung, meistens auch Warmwasserversorgung und Aufzug gehören zum Standard unserer Anlagen.

Zusätzlich wurde eine Betreuerin eingestellt, die ständig Kontakt zu den Bewohnern hält, ihre Probleme kennenlernt und zu lösen versucht, Hilfe bei Behördenbesuchen und Arztbesuchen leistet und im Bedarfsfalle kleinere Besorgungen erledigt.

Am 01.04.1993 konnte die Hospitalstiftung ein zweites Pflegeheim in der Christiansreuther Straße 29 in Betrieb nehmen. Die Baukosten einschließlich Einrichtung betrugen insgesamt 7,7 Millionen. An Eigenmitteln mussten 3 Millionen aufgewendet werden.

Im Mai 1993 wurde mit dem Umbau und der Modernisierung des Bürgerheimes begonnen. Nach Abschluss der Baumaßnahme zum 01.05.1994 standen dann insgesamt 15 neue Wohnungen zur Verfügung. Ein Mehrzweckraum, ein Aufenthaltsraum mit Teeküche und Terrasse ergänzen die Anlage. Die Umbaukosten waren allerdings erheblich und betrugen 2 Millionen DM, davon 1 Million an Eigenmitteln.

Das letzte größere Bauvorhaben war der Neubau des Pflegeheimes in der Gerbergasse. Durch den Neubau und den zum 01.05.1999 abgeschlossenen Umbau wurden keine zusätzlichen Heimplätze geschaffen, sondern es verbleibt wie bisher bei 94 Plätzen. Die gesamte Baumaßnahme einschließlich der 9 Apartments für das „Betreute Wohnen“ liegt bei einer Größenordnung von 20 Millionen DM. An Eigenmitteln hat die Hospitalstiftung 10 Mio. DM aufgebracht.

Was versetzt nun die Hospitalstiftung in die Lage ständig neue Bauvorhaben zu finanzieren, d.h. genügend Eigenmittel einsetzen zu können, auch um bestimmte Einrichtungen wie z.B. Altentagesstätten und Wohnanlagen zu subventionieren.

War es in den 50er und 60er Jahren der Forstbetrieb, der erhebliche Beträge abwarf, die Stiftung hat ca. 600 ha Waldbesitz in Föhrenreuth/Walburgisreuth und oberhalb von Pilgramsreuth am Kornberg, so sind es heute hauptsächlich die Einnahmen aus Erbbauzinsen. Die ersten Erbbaurechtsverträge stammen aus dem Jahre 1921 und seitdem sind bis heute ständig weitere Erbbaurechte hinzugekommen. Im Jahre 1998 erreichten die Einnahmen an Erbbauzinsen einen Betrag von 1.193.843,99 DM.

Weitere Einnahmequellen sind Pachtzinsen, Zinsen aus Wertpapieren und kurzfristige Geldanlagen.

Durch ihr Wirken im sozialen und wirtschaftlichen Bereich hat die Hospitalstiftung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte für die Stadt und ihre Einwohner eine Bedeutung erlangt, die wie folgt zusammengefasst werden kann:

  1. Im Bereich der Altenhilfe stellt die Hospitalstiftung in ihren beiden Pflegeheimen und nach dem Umbau am Unteren Tor 142 Plätze zur Verfügung. Sie hat einen Wohnungsbestand von 250 Wohnungen.

  2. Als Auftraggeber für die örtliche Bauwirtschaft und das Baunebengewerbe wurden in den vergangenen 40 Jahren ca. 50 Mio. DM in Neubauten investiert. Dazu kommen erhebliche Aufträge für den jährlichen Bauunterhalt. Nicht zu vergessen sind die Aufträge, die im Rahmen der Heimbetriebe vergeben werden.

  3. Aus dem Forstbetrieb werden Sägewerke aus Hof und Umgebung mit Langholz versorgt. Der Holzeinschlag beträgt jährlich 2.500 bis 3.000 Festmeter.

  4. Seit der Währungsreform hat die Hospitalstiftung etwa 600 Bauplätze für Einfamilienhäuser im Erbbaurecht vergeben. Im Rahmen der Baulandoffensive der Stadt Hof konnte die Stiftung weitere 100 Bauplätze in Jägersruh aus bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen zur Verfügung stellen.

    In der gleichen Zeit wurden Bauplätze an 40 gewerbliche und industrielle Unternehmen in Hof vergeben. Die Christian-Wolfrum-Schule, die Münsterschule, teilweise das Schulzentrum am Rosenbühl, die Schule am Theresienstein, stehen auf Grundstücken der Hospitalstiftung. Auch für den Bau der Beamtenfachhochschule wurden teilweise Grundstücke der Hospitalstiftung zur Verfügung gestellt.

  5. Sportplatzanlagen, wie der Spielvereinigungsplatz, der Freie Turnerplatz sind teilweise, der Saaledurchstich, das Gelände des Reitvereins und des Aquarienvereins am Theresienstein sind vollständig Grundeigentum der Hospitalstiftung.

  6. Die Gartenanlagen des Gartenbauvereins an der Plauener Straße und des Stadtverbandes der Kleingärtner am Schwalbenweg und Wölbattendorfer Weg (teilweise) wurden auf Grundstücken der Hospitalstiftung angelegt.


Heute werden im wirtschaftlichen Bereich der Stiftung (Forst-, Grundstücks- und Kapitalienverwaltung) die Erträge erwirtschaftet, die im sozialen Bereich zur Erfüllung des Stiftungszweckes ausgegeben werden.                                                        
                                                                                                           

 

 

 


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