Interview mit dem Stiftungsleiter

           

Treuhänder der Stifterinnen und Stifter

Ein Gespräch mit Stiftungsleiter Siegfried Leupold

Siegfried Leupold seit dem 1. Februar 2008 Leiter der Stiftungsverwaltung und damit verantwortlich für ein Finanzvolumen von ca. 8 Mio. € jährlich. Rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Hospitalstiftung beschäftigt; zumeist in den beiden Altenpflegeheimen. Zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Verwaltung des Fachbereiches Stiftungen, Liegenschaften beschäftigt, in dem neben den städtisch verwalteten Stiftungen auch die städtischen Liegenschaften verwaltet werden.

Herr Leupold, in den letzten Jahren hat die Bedeutung von Stiftungen in der Öffentlichkeit in Deutschland immer mehr zugenommen, worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Siegfried Leupold: Besonders eindrucksvoll sind die Mitgliederzahlen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, die sich in den letzten Jahren stetig erhöht und zwischenzeitlich (2008) den Stand von 3.000 überschritten haben.

Welche Bedeutung haben Stiftungen gerade für die Stadt Hof?

Siegfried Leupold: In der Stadt Hof existieren zurzeit insgesamt 23 Stiftungen. Die Gründung von weiteren Stiftungen ist im Gespräch bzw. es existieren konkrete Vorhaben. Außerdem werde ich selbst immer wieder um Auskunft bzw. Beratung über mögliche Stiftungsgründungen gebeten.

Und noch ein persönliches Wort: Es gibt in Deutschland nicht nur arme Menschen! Es liegen Milliardenbeträge auf den Banken, und wenn jemand stirbt und es ist kein Erbe noch ein Testament vorhanden, fällt das ganze Vermögen an das Land. Da ist es doch eigentlich besser, man bestimmt noch zu Lebzeiten selbst, was mit dem Geld passiert. Mein Rat: Lieber in gemeinnützige Bereiche in der Stadt Hof investieren und eine Stiftung bzw. eine Zustiftung gründen, als ohne es zu wollen in einen anonymen Haushalt einzubringen!

Warum ist es überhaupt Aufgabe eines städtischen Beamten für Stiftungen zu informieren oder gar zu werben?

Siegfried Leupold: Zu früheren Zeiten wurde über Stiftungen im Heimatkunde- oder im Geschichtsunterricht informiert; über kirchliche Stiftungen manchmal auch im Religionsunterricht. Heute wissen die wenigsten, was sich hinter den einzelnen Stiftungen und der Stiftungsverwaltung verbirgt. Das wollen wir ändern. Die Stiftungen sind mit dem öffentlichen Leben eng verflochten und haben vielfach besonders zur sozialen und kulturellen Entwicklung Deutschlands und seiner Städte, wie gerade auch in der Stadt Hof, viel mehr beigetragen, als man auf den ersten Blick vermutet. Wir wollen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger wieder mit ihrer Stadt und den Stiftungen identifizieren, dass sie über unsere Arbeit Bescheid wissen und sich vielleicht selbst engagieren, auch finanziell oder ehrenamtlich.

In der Öffentlichkeit wird vielfach die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger für das Gemeinwohl bemüht. Ist es aber nicht Aufgabe des Staates oder der Stadt, für das Wohlergehen seiner Bewohner bzw. Einwohner zu sorgen? Schließlich zahlen wir doch alle Steuern.

Siegfried Leupold: Was ist eigentlich dagegen einzuwenden, wenn sich Menschen zum Beispiel ehrenamtlich oder als Spender bzw. als Mäzene betätigen. Ich halte es durchaus als honorig, wenn sich diejenigen, denen es besser geht, um die weniger Begüterten kümmern oder andere gemeinnützige Zwecke, wie z.B. die Förderung von Kunst, Kultur oder Heimatpflege fördern wollen. Wir wollen nicht, dass der Staat sich aus seiner Verpflichtung davon macht. Aber der Wohlfahrtsstaat hat auch seine Grenzen erreicht. In den nächsten Jahren werden sich alle darauf konzentrieren müssen, eine soziale Grundsicherung sowie das grundsätzliche Funktionieren der öffentlichen Daseinsvorsorge zu gewährleisten. In Deutschland herrscht zwar eine große Spendenbereitschaft. Beispiele anderer Länder zeigen jedoch auch, dass Stiftungen (wie z.B. große Foundations in den USA) dort zum Teil noch über eine wesentlich größere gesellschaftliche Wirkung verfügen.

Wie ist eigentlich die Entwicklung in der Erbengeneration?

Siegfried Leupold: Heutzutage ist das Potential an begüterten Erben groß. Diese möchte ich ja gerade auch ansprechen. Denn nur, wenn wir neue Stiftungen gründen oder Zustiftungen bekommen, können wir auch neue Aufgaben angehen. Ich denke für die Stadt Hof gerade an den Sport, die Jugendarbeit oder den Natur- und Umweltschutz. Darüber hinaus gibt es jedoch noch weitere gemeinnützige Aufgaben, die unterstützenswert sind. Außerdem bitte ich – trotz der seit Jahrhunderten bestehenden Hospitalstiftung – auch zukünftig an die Senioren zu denken. Der Anteil der Seniorinnen und Senioren an der Gesamtbevölkerung in Hof wird in den nächsten Jahrzehnten weiter ansteigen. Die Pflege wird immer teurer und über die Pflegeversicherung hinaus werden auch andere Wohnformen gesichert und entwickelt werden müssen.

Kann die Freudigkeit zu Spenden und Stiftungen auch zurückgehen, weil man befürchtet, dass das Geld in einem großen Topf untergeht oder nicht so verwendet wird, wir man das als Stifter wollte?

Siegfried Leupold: Es ist durchaus möglich, dass bei Einzelnen diese Ängste bestehen. Aber solche Befürchtungen sind aus mehreren Gründen unangebracht. Einerseits gibt es eine Stiftungsaufsicht (bei der Regierung von Oberfranken), die sehr genau darauf achtet, dass auch beim Ausgabeverhalten einer Stiftung auch wirklich der Stifterwille beachtet wird. Wenn Sie die Geschichte der Hofer Stiftungen betrachten, dann können Sie sehen, dass die Stiftungszwecke, die von den Donatoren vorgegeben wurden, im Prinzip hinweg unverändert geblieben sind. Die Hospitalstiftung Hof ist das beste Beispiel: Seit 1264 kümmert man sich um die Alten und Pflegebedürftigen, und heute macht man das immer noch.

Und dafür kann auch zukünftig garantiert werden?

Siegfried Leupold: Ja! Die Stiftungsverwaltung ist eine transparente Einrichtung, die auch in der Hofer Öffentlichkeit steht. Die Stiftungsverwaltung geschieht nicht zuletzt auch über die von den Bürgerinnen und Bürgern gewählten Stadträtinnen und Stadträten sowie über den Oberbürgermeister. Das Geld, das von den Hoferinnen und Hofern gestiftet wurde, wird zweckgebunden verwendet, auch wenn der Betrag noch so gering ist.

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